Warum wir drei Mal telefonieren, um uns einmal zu treffen

Die Geschichte von der Unverbindlichkeit unserer Kommunikation ist nicht neu, aber sie ist es wert, immer wieder aufgeschrieben zu werden. Die neuen Technologien machen es möglich und die Festnetz-Liebhaber haben damit so ihre Probleme, denn vages Zusagen, schnelles Umdisponieren und kurzfristiges Absagen kennen sie nicht. Der Wunsch nach Verbindlichkeit ist deshalb in aller Munde.

Vielleicht haben Selbstversuche á la “Ein Leben ohne Netz”, wie der von Christoph Koch oder Marc Röhlig, deshalb Hochkonjunktur.

Warum es alle anders kennen, aber die Veränderung keiner bemerkte

Als Kind verabredete ich mich im Kinderladen für nachmittags. Urlaube planten meine Eltern ein Jahr im Voraus. Meinen nächsten Zahnarzttermin kannte ich sechs Monate vorher. Und wenn ich mich zum Konzert traf, kaufte ich Wochen zuvor die Karten und stand pünktlich am verabredeten Ort. Das stand fest. Und ging ganz gut.

Doch dann kam alles anders. Es passierte einfach – unbemerkt. Im Jahr 2000, als alle in meinem Umfeld mobil wurden. Als Facebook in mein Leben trat wurde es noch schlimmer. Mittlerweile weiß ich morgens nicht, was ich abends mache. Meine Urlaube und Zahnarzttermine verschiebe ich spontan und werde ich bei Facebook auf eine Veranstaltung eingeladen, dann komme ich immer nur vielleicht.

Warum sich alle Verbindlichkeit wünschen, aber sich keiner daran hält

Unverbindlichkeit – sie scheint auf den ersten Blick denkbar einfach – 24/7 erreichbar: das macht flexibel. Wenn wir uns immer erst im letzten Augenblick entscheiden, können wir nichts verpassen – so die These, die uns unterbewusst treibt. Unbegrenzte Optionen türmen sich vor uns auf, wie im Schlaraffenland greifen wir uns nur noch heraus, was uns spontan überzeugt.

Doch erste Zweifel machen sich breit: Macht es Spaß, Meetings fünf Minuten vorher per Mail zu bestätigen? Aus dem Supermarkt zu Hause anzurufen, um zu fragen, was man mitbringen soll? In letzter Sekunde anzurufen, um zu sagen, dass man zehn Minuten zu spät ist. Jeder war vom ständigen hin- und her schon einmal genervt, die meisten reagieren nervös, wenn sie ihr Handy liegen lassen. Und eine Woche ohne Internet ist unvorstellbar.

Das macht keinen Spaß.

Deshalb hoffe auf feste Zusagen und plädiere für folgenden Pakt: Ab jetzt machen wir alles fest. Unverbindlichkeit war gestern.

3 Kommentare

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Den hätte ich auch gern. Qualifizierte Kommentare sind aber ohnehin charmanter.

Klein anfangen.

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