Adieu Herr Bundespräsident – jetzt entscheiden wir!
Wie Köhlers Rücktritt das Internet bewegt.
Blogger hatten die missverständlichen Aussagen vom Bundespräsidenten a. D. Horst Köhler bereits ganz nach oben auf die Agenda gesetzt als klassische Medien noch schliefen. So war es u. a. auf Carta zu lesen. Unpolitik.de, das Querblog, Fefe & Co identifizierten seine Aussagen als skandalös, lösten eine Twitter-Welle aus und informierten Redaktionen. Die klassischen Medien hingegen blieben bis dahin fast mucksmäuschenstill.
Der tatsächliche Einfluss bleibt Spekulation. Doch Köhlers Rücktritt wird im Netz heiß diskutiert. Da wurde nicht nur eine Website programmiert, die über seinen nächsten Job mutmaßt (www.horst-koehler-consulting.de) – die Idee der Stunde: Mitbestimmung. Die Nachfolge Köhlers ist DAS Thema.
Ganz nach dem Motto: Der Einfluss bleibt – jetzt bestimmen wir, finden sich im Netz erste Briefvorlagen, die den Wunsch-Kandidaten beim Bundesrat/Bundestag bewerben.
Ob Lena, Raab, Von der Leyen oder Käßmann – auch bei facebook schießen die Gruppen für oder gegen die Kandidaten aus dem Boden. Die Politik kommt bei facebook an. Die Wortführer versuchen zu aktivieren, doch die Bewegungskraft fehlt noch. Wir brauchen eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Kandidaten im Netz. Sonst bleibt die Debatte ungehört. So bleibt die Frage: Endet hier die Macht des Internets?
5 Kommentare
Die Kraft des Internets kennt keine Grenzen. Da geht noch was. Insbesondere weil der Politik die Relevanz der Internetgemeinde immer deutlicher wird.
Die Reaktion im Netz ist unmittelbar, die Latenz der klassischen Medien liegt in der Natur dieser immernoch zu trägen Struktur. Dabei bleibt die mögliche Einflussnahme der “Internetgemeinde” stark begrenzt, gar verschwindent gering. Sie ist lediglich so schön bunt, laut und hip, dass ihr wunderbar populistisch eine höhere Relevanz angedichtet werden kann.
Die Relevanz der Internetgemeinde ist den “etablierten” Parteien längst nicht deutlich, sonst hätte Zensursula nicht ein solch verfassungswidriges Gesetz angestoßen und der JMStV wäre nie so undemokratisch und heimlich verabschiedet worden.
Auf die neue Favoriten-Rolle von Ursula von der Leyen reagierte die Netzgemeinde prompt. Unter dem Motto “Zensursula – Not my president” protestieren zahlreiche Nutzer von Facebook, Twitter und Co. gegen eine mögliche Wahl der 51-Jährigen. Die Facebook-Gruppe (http://de-de.facebook.com/group.php?gid=122035707836075) hat schon 20.000 Mitglieder.
[...] Gauck ist damit einen großen Schritt weiter als die Parteien beim Bundestagswahlkampf 2009. Aber vor allem ist die Bevölkerung aufgewacht und wird urplötzlich richtig kreativ. Entwickelt Ideen zum Online-Wahlkampf und verknüpft diese mit Offline-Aktionen. Und das, obwohl es gar keine Wahl gab, wie Richard David Precht bei Spiegel-Online anmerkte. Nicht für die Allgemeinheit und noch nicht mal für die Bundesversammlung selbst. Das die Präsidentenwahl im Netz für Furore sorgen wird, zeigte sich schon nach dem Köhler-Rücktritt. [...]
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