Ohne Laissez-faire geht es nicht
Social Media Guidelines sind schön und gut: Sie zeigen Chancen und Grenzen auf, geben Mitarbeitern die notwendigen Basisinformationen zur Orientierung im digitalen Dschungel an die Hand und motivieren idealerweise. Im Beratungsalltag sind solche Richtlinien für mich im Moment ein Dauerthema, fast kein Tag vergeht, an dem der Begriff nicht in irgendeinem Gespräch fällt. Dennoch ist meine These: Ohne ein wenig Laissez-faire geht es nicht.
Seien Sie nicht zu streng zu sich und zu Ihren Mitarbeitern. Öffentlichkeitsarbeit hat mit Networking zu tun. Networking braucht Zeit. Und weil dank Web 2.0 plötzlich mehr Menschen im Unternehmen Networking betreiben, verschlingt das Networking mehr Zeit. Ja: viel mehr Zeit als bisher. Und ja: auf Kosten des Unternehmens! Das ist aber nicht schlimm, denn es gibt eine ganze Reihe von Gründen für ein bezüglich des Zeiteinsatzes gewisses Laissez-faire beim Networking vom Arbeitsplatz aus. Lassen Sie die Zügel ruhig etwas lockerer – und nach einiger Zeit werden Sie die positiven Effekte sehen:
- Zufriedenheit: Klarer Punkt. Zufriedene Mitarbeiter leisten bessere Arbeit und sind authentisch freundlich zu Kunden und Geschäftspartnern, nicht nur aus Loyalität und Verpflichtung heraus.
- Kontakte: Das Netzwerk Ihrer Mitarbeiter wächst durch Social Networking während der Arbeitszeit. Daraus ergeben sich Chancen fürs Geschäft und mitunter konkrete Ergebnisse, siehe unten.
- Ideen: Tausche Zeit gegen Ideen – das Social Web inspiriert. Kreative Impulse gibt es an keiner Stelle so umfassend und effektiv wie im eigenen Online-Netzwerk. Bei Facebook und Twitter äußern Menschen mit gemeinsamen, aber nicht identischen Interessen und Meinungen ihre Perspektiven auf viele Themen. Wer zuhört, profitiert vom möglichen Perspektivwechsel und schöpft kreatives Potenzial.
- Sympathie fliegt Ihnen durch eine großzügige Handhabung der Social-Media-Nutzung am Arbeitsplatz allemal zu. Bei weniger wichtigen, aber auch wichtigen Multiplikatoren draußen im Social Web und auch bei potenziellen neuen Mitarbeitern kommt durch die Twitter- und Facebook-Aktivität Ihrer Mitarbeiter während der Arbeitszeit an, dass man in Ihrem Unternehmen auch während der Arbeitszeit Mensch sein darf.
- Glaubwürdigkeit ist die Grundlage jeder erfolgreichen Strategie im Social Web. Wenn Sie nach außen als weltoffenes, dem Web 2.0 zugewandtes Unternehmen auftreten, Ihren Mitarbeitern aber beim Twittern mit der Stoppuhr im Nacken stehen, so sind Sie zum Scheitern verurteilt.
- Ergebnisse: Der beste Punkt! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eine gewisse Zeit dauert, doch Social Networking am Arbeitsplatz bringt Neugeschäft. Ob Neukunde, zusätzliches Business oder toller neuer Mitarbeiter, nach einiger Zeit stellen sich häufig ganz plötzlich ebenso unplanbare wie eindeutige Erfolge eines Zeitinvestments in Social Media ein. Wie von alleine. Das ist das Schöne!
Dieser Text ist in Teilen ein Auszug aus dem im Juni erscheinenden Buch “Social Media Relations”. Gerade deshalb bin ich umso dankbarer für Feedback und Standpunkte – und behalte mir vor, diese last minute ins Manuskript einzuarbeiten.
5 Kommentare
Ja, d’accord ! Als Buchhändler nutze ich ständig Twitter, Facebook, Xing etc. Gestern fand ich dort z.B. einen ausgesucht schönen Roboter-Shop mit tollen Exponaten. Nächste Woche werden unsere Kunden diese blechernen Gestalten auch bei uns im Laden bewundern können.
Bei der Veranstaltung zur Zukunft der Computer gestern – wurde man von mir per Facebook & Twitter eingeladen. Ohne Multiplikatoren und Soc-Nets wäre das kaum zu schaffen.
Und, am letzten Wochenende durfte ich beim Verlegerverband einen Vortrag zum Thema halten. Die Slides stehen wie angefordert im Netz. Mit Werbung für dieses Buch übrigens :-)
Viel Erfolg!
Bernd, Buchhändler in Berlin
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Bernhard Jodeleit, Manuel Weinelt, Oliver Weiß, Tom Schraud, Kornelia Reider und anderen erwähnt. Kornelia Reider sagte: Ohne Laissez-faire geht es nicht « Social Media Strategy Lab: Das Social Media Strategy Lab ist die Spezialeinh.. http://bit.ly/b3kTHr [...]
Sehr sympathische Ansätze. Hat mich sehr überzeugt. Beim Punkt Zufriedenheit finde ich nur unglücklich formuliert “…nicht nur aus Loyalität” – ich meine, Loyalität entsteht erst aus Zufriedenheit. Wenn ich loyale Mitarbeiter habe, habe ich doch das Gegenteil von pflichterfüllenden Mitarbeitern?
Die Frage, die sich mir stellt: wie bereite ich als Unternehmen meine Mitarbeiter auf dieses Laissez-faire vor? Nicht jeder Mitarbeiter weiß, wie ihn Social Media inspirieren kann, wie er Networking betreibt, wie er es effektiv nebenher nutzt (hier auch die Frage nach der technischen Umsetzung im Unternehmen: dürfen Mitarbeiter ihre gewohnten twitter-Clients auf dem Firmen-Rechner installieren? Add-Ons? etc.). Wäre da nicht auch eine Investition in die social-mediale Kompetenz der Mitarbeiter wichtig?
Peter, das ist ein guter Punkt. Mitarbeiter mit dem nötigen Handwerkszeug auszustatten gehört in vielen Unternehmen, gerade in den “ganz normalen”, zu den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nutzung des Social Web. Daher ist mir immer wichtig, Social Media Guidelines und -Training in einem Atemzug zu erwähnen, wenn ich Kunden diesbezüglich berate. Idealerweise haben Guidelines zugleich einen Ratgebercharakter, machen Lust auf Social Media und zeigen die Chancen und Risiken auf. Das Ganze kann man dann in Workshops vertiefen – Workshops, die den Mitarbeitern durchaus Spaß machen.
Zum Stichwort Loyalität: Kann ich nachvollziehen. Wobei ich glaube, dass in diesem Lande viele Arbeitnehmer loyal sind und dabei weder zufrieden noch überzeugt.
Bernhard, danke für die Antwort. Das macht mir euren Ansatz direkt noch etwas mehr sympathisch. :)
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