Paartherapie dringend empfohlen.

Journalismus und Internet – so ganz haben sich die beiden noch nicht verstanden. Das zeigt die aktuelle Print-Ausgabe des SZ-Magazins. Eigentlich dachte ich, dass Grundsatzdiskussionen über das Internet seit dem kläglich gescheiterten Versuch bei Maybrit Illner verstummt wären. Weit gefehlt.

Die Schüler der Henri-Nannen Schule, die die aktuelle Ausgabe des SZ-Magazins gestalteten, belegen erneut, warum die Deutschen Weltmeister im Diskutieren über die drohende Webokalypse sind: Gut über böse? Ein jeweils halbes Heft über die großartigste, bzw. schlimmste Erfindung der Gegenwart. Gänsehaut pur, schließlich sitze ich hier in der Online-Abteilung einer Werbeagentur.

Und was hab ich in diesem Heft alles gelesen: Dass das Web potenzielle Bombenbauer fördere, feige sei, weil jeder anonym seine Meinung sagen könne, oder aber Ursache tiefster Verzweiflung (”ich finde die Ladezeiten der Filme auf Youporn viel zu lang”, Zitat aus dem Beitrag Verzweiflung. Stoßseufzer der Generation Online).

Dazu möchte ich gerne sagen: Ja, liebe Journalistik-Studenten, das Internet besteht aus vielen bunten Dingen, ist aber eine Technologie. Ich mache jetzt hier einen Absatz. Wir lassen diesen Satz einen Moment wirken.

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Das Internet ist ein Kommunikationswerkzeug, das – wie man anhand des Begriffes ableiten kann – durch Menschenhand genutzt wird, die etwas produziert. Videos, Texte, Bilder, Musik. Ein Vorschlag wäre, langsam damit zu beginnen, aufzuhören. Aufzuhören kommunikationstechnologische und sozio-kulturelle Entwicklungen durcheinander zu bringen. Es geht nämlich immer noch darum, was ihr da draussen und wir und alle mit dem Interwebs machen. Denn das Internet zwingt uns zu gar nichts.

Andreas Wolfers und Christoph Niemann beschreiben das auf Seite 46 dann doch noch ganz richtig: “[Es geht darum] was sich MITHILFE des Internets alles anstellen lässt … Grundsatzdiskussionen interessieren uns nur am Rande. Das Netz ist einfach da und es lässt sich wie jede große Erfindung, für gute wie für verwerfliche Zwecke nutzen.”

Hätte man diesen Gedanken nicht als Grundlage nehmen können? Das Internet: 26 Expeditionen in festes und morastiges Gelände. Oder: Das Internet: Ein Feldversuch.

Spaß ist doch schließlich, was ihr draus macht.

In diesem Sinne aus dem bösen Netz,
Cheers!

Anna

4 Kommentare

[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Strategy Lab, Sebastian Lampe erwähnt. Sebastian Lampe sagte: Internet und Journalismus verstehen sich immer noch nicht so gut schreibt Anna im SMSL-Blog: http://twiturl.de/gsouit [...]

Schön beobachtet.
… hier fehlt der “Like”-Button ;)

Ja, das Internet ist nur eine Technologie. Aber Technologien verändern Menschen, einige weniger, andere mehr. Das Heft handelt von diesen Veränderungen – glaube ich nach dem Lesen.

Ja, es geht um Veränderungen: Technische und kulturelle Veränderungen. Die Artikel haben das auch z.T. widergespiegelt. Warum muss man aber diese Veränderungen dann zwanghaft kategorisieren und evaluieren? Die Aufmachung des Heftes steht in seiner argumentativen Klammer der Aussage der Artikel entgegen.

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