Das Fernsehen hat zu tun.
Warum Fernsehredaktionen nun “Content A&Rs” brauchen. Und sich auch Werbung & PR dieses Job-Profil abgucken sollten.
Ein bisschen beruhigend ist es ja schon zu sehen, dass auch andere Branchen stolpern und humpeln im Versuch, dem Internet hinterher zu rennen. Yousef Hammoudah und Benedikt v. Walter gaben auf der vergangenen re:publica einen kurzen Einblick in die Arbeit beim Fernsehen und die Veränderungen, die im Redaktions- und Marketingalltag heranwachsen. Ob diese Veränderungen zu Problemkindern oder Vorzeigesprösslingen werden, wird sich zeigen.
Auch beim Fernsehen rutscht der Nutzer in den Mittelpunkt. Das klingt im ersten Moment jetzt nicht wie etwas Neues, ist es in der Verlängerung und dem ganzen Drumherum eben dann doch. Eine Homepage für den Sender genügt nicht mehr, der geneigte Zuschauer will tippeln und tappeln, seinen Senf dazu geben und passende Häppchen gereicht bekommen. Fernsehen immer und überall und am liebsten noch umsonst – wenn man damit kommt, erntet man funkelnde Augen. Das wär was. Ist es aber (noch) nicht.
Die zwei Herren von MTV Networks jedoch haben verstanden, worum es geht. Aber wir kennen das, große Unternehmen sind meistens schwerfällige, langsame Unternehmen, schließlich haben sie viel zu schleppen und zu tragen und die Beutel haben ja auch nur so dünne Henkel. Also bastelt man Facebookseiten für Subformate der großen Sender, bespielt verschiedene Kanäle mit verschiedenen Formaten und sieht zu, wie die Fans im Netz ihre eigenen Fanseiten bauen. Auch das kann nicht jeder. Ich meine: Zusehen und die anderen machen lassen. Dass aber eine kleine Idee manchmal genügt, und man dann “den Mut haben muss, das wuchern zu lassen” (Benedikt v. Walther), das kommt langsam an. Wenn man positive Erfahrungen vorweisen kann natürlich. Und MTV misst positive Erfahrungen in Facebook-Fan-Zahlen.
Und so wie sich Werber und PR-Menschen einer neuen Herausforderung gegenüber sehen, so verändert sich auch die Arbeit in TV-Redaktionen. “Content A&Rs” nennt Hammoudah diejenigen, die nun über Fernsehformatsgrenzen hinweg denken müssen, denn das Internet ist groß, die Menschentraube auch – und die wartet ja auch nicht ewig auf passende Formate, im Zweifel macht sie sie nämlich einfach selbst. Ohne zu fragen. Und das wiederum könnte dann für das klassische Fernsehen zum Problem werden. Für die Werbung übrigens auch. Und die PR. Und. Ach.
Man wärme sich also auf. Eher schneller als langsam. Damit’s morgen nicht ganz so weh tut.
(Uwe Viehmann war übrigens auch bei diesem Vortrag.)
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