Ganz nah, ganz bunt und ein bisschen chaotisch
„Social Media ist ein wenig wie Fasching: unübersichtlich, bunt, distanzlos – nur, dass am Aschermittwoch noch lange nicht Schluss ist.“ Mit diesen jahreszeitlich treffenden Worten startete Andreas Haas, Geschäftsführer fischerAppelt, relations und Münchener Standortleiter der Föderation der Ideen, das zweite Social Media Strategy Lab zum Thema „Clash of Cultures: Social Media und Unternehmen“. Marketing- und PR-Vertretern brennt das Thema offensichtlich unter den Nägeln: Trotz heftigen Schneetreibens blieb am 10. Februar 2010 kaum ein Teilnehmer-Badge am Empfang herrenlos.
SMSL 10. Februar 2010 – Begrüssung Andreas Haas.
Auf den Punkt gebracht begann der Abend mit „10 Thesen zur neuen Erwartungshaltung der Kunden im Social Web“, präsentiert von Ergin Iyilikci, Vice President Corporate Communications/PR der Scout 24 Holding.
1. Kunden wollen relevante Inhalte. Unternehmen sind die neuen Medien. Konsumenten erwarten informative, aktuelle und authentische Inhalte.
2. Mensch wollen mit Menschen reden – nicht mit Marken. Markenkommunikation muss fortan neu gedacht werden. Weg vom Monolog, hin zum Dialog.
3. Mehr Persönlichkeit schafft eine höhere Kundenbindung. Konsumenten fordern erkennbare Repräsentanten der Unternehmen. Das gilt für Markenkommunikation wie für Unternehmens-kommunikation.
4. Kunden wollen nicht berieselt werden. Im Social Web werden aus Consumern „Prosumer“. Kunden wollen partizipieren und sich engagieren.
5. Stakeholder wollen ernstgenommen werden. Präsenz der Marke und Dialogbereitschaft des Unternehmens im Social Web schaffen Markenloyalität.
6. Transparenz gewinnt zunehmend an Bedeutung. Doch das bedeutet nicht bedingungslose Offenlegung der Unternehmensabläufe. Social Media Guidelines helfen Mitarbeitern bei der Kommunikation über Marken und Unternehmen im Dialog online.
7. Inhaltsleere Werbeversprechen sind der Spam des 21. Jahrhunderts. Wer im Social Web nur für sich und seine Produkte Reklame betreibt, verliert.
8. Aus Kunden werden Markenbotschafter. Im Social Web gehört die Marke ALLEN. Die Marke wird beobachtet, kritisiert und digital verewigt. Dialogbereitschaft und Glaubwürdigkeit sind die Basis für kostenlose Empfehlungen in der Online-Welt.
9. Auch für Social Media Erfolg sind gute Produkte die Grundlage. Social Media macht die Einbindung der Kunden schon im Entwicklungsprozess der Produkte möglich. Zuhören und Nachfragen beweisen Social Media-Kompetenz. Der Erkenntnisgewinn ist hoch, die Kosten gering.
10. Ohne Social Media Strategie verpufft die Marke.
SMSL 10. Februar 2010 – Vortrag Ergin Iyilikci.
Phillipp zu Sayn-Wittgenstein, fischerAppelt, furore GmbH, knüpfte an die letzte These Ergin Iyilikcis an und erklärt im Namen des Social Media Strategy Labs, wie Unternehmen auf die neue Erwartungshaltung von Kunden im Social Media reagieren können, denn für uns steht fest: „Social Media bleibt.“ Wer diese Tatsache ignoriert, ignoriert Konsumenten und Meinungsführer. (Zur Präsentation hier entlang.)
Und starre Handlungsanweisungen gibt es für den Umgang mit Social Media nicht: Back to the Roots, Idee, Relevanz und Dialog sind mehr denn je Treibstoff einer wirkungsvollen und glaubwürdigen Kommunikation.
SMSL 10. Februar 2010 – Vortrag Philipp Wittgenstein.
Auch die Gäste schienen aufzuatmen: Social Media ist keine „Rocket Science“. Kommunikation funktioniert hier im Grunde nicht anders als am Stammtisch oder in der Kantine. Social Media ist der direkte Kanal zu den Stakeholdern: „In Sozialen Netzwerken wird über Ihr Unternehmen gesprochen. Mit Ihnen oder ohne Sie. Eins müssen wir verstehen: The problem about feedback is not the feedback. Sondern vielmehr gilt: The feedback is also the solution.“ (Phillipp zu Sayn-Wittgenstein)
In der anschließenden Diskussionsrunde und im vertrauten Einzelgespräch stellten die Gäste überraschend ehrliche Fragen, zum Beispiel zur Brisanz scheinbar noch immer existierender, marketing-getriebener Fake-Accounts. Einmal mehr bewies der Mittelstand ambitioniertes Unternehmertum: „Wir verpassen Entscheider, wenn wir hier nicht mitmachen!“. Fazit: Der ROI steht im Social Web nicht mehr für Return on Investment, sondern für „Risk of Inaction“.
Von Mareike Aistermann und Stefanie Biastoch
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