Das ist doch keine Sekte!
… it’s my life! (Wenn man so will, ist dies eine Antwort auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, wo man gerade mal wieder Angst vor der schönen neuen Welt hat.)
Als ich vor über einem Jahrzehnt meine erste Email-Adresse einrichtete, musste ich von meinen damaligen Mitschülern noch Hohn und Spott über mich ergehen lassen. Aus einem anfänglichen Interesse an Neuem, ist in der Zwischenzeit die Gewohnheit geworden, mich überall da anzumelden, wo man sich anmelden kann: Dinge, die ich im Netz finde, sammle ich bei tumblr, meine Reisen verbuche ich bei dopplr, meine Business-Kontakte organisiere ich bei Xing, meine Fotos teile ich auf flickr, meine Videos bei Youtube, meine Ideen bei Twitter und meine Musik bei last.fm. Ganz zu schweigen von unzähligen weiteren Accounts bei digg, delicious, wordpress, friendfeed, slideshare, vimeo, dropbox, deezer, we7 usw. usf.
Dieses Benutzernamen-Passwort-suchende Online-Leben ist größtenteils unterhaltsam, manchmal zerstreuend, häufig produktiv, bisweilen aber auch stressig. Einige Jahre nun pflege ich dieses Verhalten – und muss zuletzt einige Veränderungen feststellen: Denn Facebook übernimmt mehr und mehr all diese Funktionen.
Als ich vor einiger Zeit meine Urlaubsfotos bei flickr für meine Mutter posten wollte, stellte ich fest, dass ich das besser bei Facebook tun könnte – schließlich ist Mami auch dort und flickr begrenzt zudem meine Upload-Fähigkeiten.
Dann hatte ich Geburtstag und bekam nur eine einzige Glückwunsch-Email. Von meiner Tante. Alle anderen Emails waren Benachrichtigungen von Facebook über Gratulationen auf meiner Pinnwand und in meiner Nachrichtenbox.
Und so geht das immer weiter: Wenn ich vor der Wahl stehe, ob ich 140 Zeichen für ein paar Dutzend mir größtenteils unbekannte Twitterer verfasse oder für mehrere hundert Bekannte und Freunde, ist die Entscheidung eigentlich klar. Mein RSS-Reader integriert sich mehr und mehr in die Seiten-Funktion des Netzwerks. Ganz zu schweigen von Skype, das bei mir seit einiger Zeit nur noch im Hintergrund aktiv ist und vom Facebook-Chat abgelöst wurde. Videos, Bookmarks, Spiele, … – was immer ich mache, suche, publiziere, meine, entdecke, schön oder hässlich finde, ich mach es immer mehr (und in letzter Zeit immer häufiger ausschließlich) bei Facebook. Nein, ich werde von Facebook nicht bezahlt für diesen Post. Und ja, ich weiß, dass die Diskussion, ob Facebook denn nun eine Art Internet-Betriebssystem werden wird, nicht völlig neu ist. But I was just fascinated!
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