Prosit heißt „Es möge nützen“
„Wer braucht twitternde Sektmarken?“ fragt Johnny Haeusler von Spreeblick. Und bezieht sich damit auf die Frage, wie das eigentlich mit der Werbung und dem Internet so ist, wenn es um mehr als Banner und PopUps geht. Die Antwort ist so kurz wie simpel: Twitternde Sektmarken braucht kein Mensch.
Richtig.
Und trotzdem reden alle drüber. Die einen drehen ihre Schuhspitzen im Sand, die anderen schimpfen lauthals und verweigern sich mit vor dem Bauch verschränkten Armen und die restlichen versuchen sich dann doch einmal. Manchmal funktioniert’s, manchmal merkt es niemand und im besten Falle geht es einfach schief. Kunden fühlen sich wie jeden Morgen am Briefkasten, aus dem Prospekte quellen– und sie reagieren mit genervtem Wink in den Papierkorb. Unternehmen verheddern sich währenddessen leider noch zu oft in gefährlichem Halbwissen und umsatzzahlenbedingter Skepsis, aus Angst vorm Netz fallen sie ab und auch an in eine Art Schockstarre. Das Versteckspiel mit den vor’s Gesicht geschlagenen Händen unter dem Motto „Jetzt ist es dunkel, keiner sieht mich, ich bin weg“ funktioniert jedoch auch in Bezug auf Social Media nicht.
Nun gut. – Wo treffen sich die beiden Seiten also? – Einfach gar nicht? – Geht nicht. – Oder nur mit Boxhandschuhen im Gepäck? – Führt auf Dauer auch zu blauen Flecken. – Im Dialog? – Hm. Mal sehen.
Spiegel Online spricht vom Umbruch der Werbebranche. Wir sprechen vom längst überfälligen Update. Der „Später Erinnern“-Button ist kaputt. Die Form des Dialogs sieht aus wie ein Prozessbalken, die Fortschrittsanzeige ist eine individuelle Geschichte, die von Unternehmensgröße, Allgemeinverständnis, Höhe der Zeit, Kundenstamm, Produkt und Kunde abhängt, von Tradition und Neugier, Mut und Relevanz. Der Kampf um Aufmerksamkeit ist immer noch ein Kampf um viele, einzelne, individuelle, denkende Menschen. Und die haben im Netz einfacher denn je die Möglichkeit den Mund aufzumachen, wenn ihnen etwas nicht passt. Oder eben doch.
Toll, was? – Geht so. – Häh, wieso? Was ist denn daran blöd? – Ich komm nicht mit. – Wie, du kommst nicht mit? – Ich komm halt nicht mit, ich bleib hier.

Und da stehen wir und gucken in den Grand Canyon der digitalen Ratlosigkeit*, während der Clash of Cultures sein Echo in die Tiefe schreit: Kunde vs. Unternehmen, Individuum vs. Marke, Öffentlichkeit vs. Privatheit. Unwissen & Handlungsunfähigkeit von Unternehmen hat viele Gesichter. Der Unmut der Kunden ebenso. Wir als Social Media Strategy Lab haben uns also einen ganz analogen Tisch geschnappt, wunderbar echte Menschen und einen Haufen Fragen zum Thema. In der Hamburger Botschaft kam am letzten Donnerstag dann alles zusammen. Christof Hafkemeyer erklärte als Leiter der Internen Kommunikation der Deutschen Telekom welche Anstrengungen unternommen werden, um erst einmal intern in Sachen Social Media fit zu werden. Als Kontrahent am anderen Ende des Tisches saß Thomas Knüwer, ehemals Journalist beim Handelsblatt und mittlerweile freiberuflich auch als Unternehmensberater tätig. Und da hatten wir sie, die beiden Seiten, die Front Ends der Frage, was Unternehmen mit dem sozialen Netz und das soziale Netz eigentlich mit Unternehmen anfängt – und wie am Ende etwas dabei rumkommt, dass alle ein Stück glücklicher macht. Thema war beispielsweise das Tempo, das Unternehmen an den Start legen, was Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und das Wecken von Neugier und Lust auf das Netz angeht. Herr Knüwer sparte indessen nicht an amüsanten Negativbeispielen, in denen Unternehmen mit halbherzigen oder unbeholfenen Maßnahmen strategisch gegen die Wand gefahren sind. Auf der anderen Seite beantwortete Herr Hafkemeyer aus Sicht eines DAX-Konzerns die Fragen des Publikums, das aus Vertretern von Unternehmen aus Hamburg und Umgebung bestand. Und wir, wir stellten die Fragen aus der Mitte heraus.
Und wenn man keine twitternden Sektmarken braucht, was braucht man denn dann? – Jemanden, der eine Strategie findet, die Social Media passend zum Kunden und individuell einsetzt. – Und das könnt ihr, oder was? – Ähm, ja. Beweise gibt’s nach Anfrage.
Eine Nachlese von Nils Jacobsen zum SMSL-Event gibt es bei Meedia.
*„Die Vielfalt des Grand Canyon ergibt sich aus den Höhen- und Klimaunterschieden im Canyon und an seinen Rändern
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