Das Ende der Katalogsprache!

Noch vor einigen Jahren lebten Reise- und Verbrauchermagazine besonders vor den großen Ferien von der so genannten Katalog-Entschlüsselung:

…Haus mit vielen Stammgästen heißt:
Das Hotel muss deshalb nicht besonders gut sein, das Benehmen der Gäste wird wohl zu wünschen übrig lassen, es kann sein, das sich einige Stammgäste benehmen wie zu Hause.
…beheizbarer Swimmingpool heißt:
Das Wasser ist beheizbar, die Heizung muss deshalb aber nicht auch angeschaltet sein.
…zur Meerseite hin heißt:
Das Meer kann durch Häuser o. ä. versperrt sein, Sie werden keinen direkten Meerblick haben.

Auch wenn Reise-Veranstalter und Hotels in Katalogen heute noch auf diese Codes zurückgreifen – in Zeiten des Social Web muss niemand mehr Verbrauchermagazinen oder Expertenmeinungen vertrauen.

Websites wie tripadvisor.com bieten über 1.8 million candid traveler Fotos von Hotelzimmern aus aller Welt. Hinzu kommen ungeschminkte Beurteilungen der Hotels. Das Social Web hält Katalogbildern und Marketingsprache so den Spiegel vor und schickt sie auf den Kommunikationsfriedhof.

Ich schaue mir schon seit drei Jahren keine offiziellen Beschreibungen von Hotels und Bildern an. “Hyatt Hotel New York Review” lautet meine Google Suche für den nächsten Urlaub. Der erste Treffer ist die tripadvisor-Kritik mit 1.116 authentischen Besucherberichten. Hinzu kommen 295 private Fotos und die Information, dass das Hotel in Manhattan auf Platz 167 von 495 bewerteten Häusern liegt. Soviel handfeste Info liefert mir kein Katalog und auch kein Reisebericht in FAZ oder Süddeutsche. Auch die bisher glaubwürdigste Quelle, die überregionale Tageszeitung, ist einfach nicht so authentisch wie das Social Web.

Auch aus Unternehmenssicht hat sich die Welt verlagert: Klassisches Marketing und herkömmliche PR funktionieren nicht mehr. Medien können nicht so zielgerichtet informieren, wie ich es mir wünsche. Das Social Web wird zur glaubwürdigsten Quelle und damit zur optimalen PR-Plattform. PR, die zunächst nur schwer steuerbar scheint, schließlich lässt sich der subjektive authentische Erlebnisbericht kaum beeinflussen. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, diese glaubwürdige Quelle nicht zu ignorieren und Diskussionen und Bewertungen der eigenen Marke ganz ohne Strategie dem Konsumenten zu überlassen. Unternehmen müssen eine Haltung zum Social Web und den Umgang mit der Entwicklung lernen. Denn der Verbraucher ist schon da und wartet im Zweifelsfall nicht auf sie.

1 Kommentar

Ich kann dem Ganzen nur zustimmen. Meine letzten drei Hotels wurden alleine nach Bewertungen, Privatbildern und Kommentaren ausgesucht. Vor zwei Monaten habe ich dann eine interessante Erfahrung gemacht. Bin ins Reisebüro um mich mal wieder persönlich beraten zu lassen – und was macht die nette Dame? Sie ruft die Site holidaycheck.de auf, lässt sich alle Hotels mit “90prozentiger Zufriedenheit” anzeigen und empfiehlt eines dieser auszusuchen.

Was bedeutet das für die Hotels? Hört euren Kunden zu, reagiert auf Missstände und erreicht mindestens 90% Zufriedenheit.

Einen Kommentar schreiben: