Darf’s ein bissl mehr social sein?

Wenn es einen Trend für 2009 gibt, dann den, dass man irgendwo jeden Tag eine neue Social Media-Liste findet. Die 10 wichtigsten Tools für Twitter, die 20 Do’s and Dont’s bei Facebook, die 100 besten Clients für was-weiß-ich. Und da sich 2009 ja langsam dem Ende neigt, dachte man sich bei der BusinessWeek, dass man, dem Listenwahn folgend, schon mal die Trends für das Jahr 2010 prognostizieren könnte: “Six Social Media Trends for 2010“.

Bei einigen der dort aufgeführten Punkten kann man sicherlich darüber streiten, ob es sich tatsächlich um neue Trends handelt (oder haben sich Social Media-Aktivitäten nicht schon längst auf mobile Geräte verlagert?). Andere bieten wiederum gute Denkanstöße. Zum Beispiel Punkt 1: “Social Media becomes less social”. Gemeint ist, dass durch Listenfunktionen (etwa bei Twitter) und Gruppeneinstellungen (etwa bei Facebook) eine zunehmende Verbergungskultur und Exklusivität in die Netzwerke einziehe und die vermeintlichen Störgeräusche immer weiter ausgefiltert würden. Dadurch würden soziale Aktivitäten in Zukunft vermehrt in den Hintergrund treten.

Während ich mit der ersten Annahme übereinstimme, kann ich der zweiten nicht folgen. Denn ja, Social Media wird, und muss!, zukünftig mehr Regulierungsmöglichkeiten bieten. Der User soll und darf mehr Entscheidungshoheit über das haben, was er oder sie sich anschaut/nutzt/liest/verfolgt. Allerdings meine ich, dass gerade dadurch Social Media nicht weniger, sondern “mehr” sozial wird. Was sich andeutet, ist, dass viele Dinge, die wir aus dem “echten” Leben kennen, eine größere Rolle im Social Web spielen werden.

Es geht nun immer mehr um Zugehörigkeiten, die durch Filterungsmöglichkeiten einfacher und nahe liegender werden.
Es geht nun immer mehr um das  Orientieren an dem, was andere tun, wenn bspw. Listen-Funktionen bei Twitter öffentlich gemacht werden.
Es geht nun immer mehr auch um sozialen Druck und um Dinge wie bspw. Peer Pressure.

Letzten Endes zeigt sich, dass Social Media kein Hexenwerk ist. Und auch zukünftig nicht werden wird. Denn es geht um etwas ganz Einfaches: Mit anderen Menschen kommunizieren. Und zwar nach altbekannten Regeln, Mentalitäten und Kulturen. Womit sich auch die Frage stellt, ob es sich tatsächlich um eine “Social Media Revolution” handelt. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

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